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Ärzte verordnen Beruhigungsmittel zu lange

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18.04.2009,

Die Zahl der Deutschen, die von Medikamenten aus der Gruppe der Benzodiazepine abhängig sind, ist größer als bisher angenommen. Das haben Forscher des gemeinnützigen Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in einer neuen Studie herausgefunden. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest: Bei mehr als 1,5 Millionen Patienten verschrieben Ärzte die suchtgefährlichen Schlaf- und Beruhigungsmittel für einen zu langen Zeitraum.

In der bislang größten Studie zur Tablettensucht in Deutschland haben die Forscher 3,5 Millionen Kassenrezepte ausgewertet. Als gerade noch vertretbares Therapievorgehen legten die Wissenschaftler eine Hochdosistherapie fest, die bis zu zwei Monaten dauerte. "Wir waren völlig überrascht über den Umfang des Benzodiazepin-Missbrauchs in Deutschland", erklärt Studienleiter Peter Raschke. Das Verschreibungsverhalten der Ärzte entspreche nicht den Leitlinien und habe knapp 800 000 Menschen zu Dauerkonsumenten gemacht, so die Studie weiter. 130 000 Patienten seien so abhängig, dass sie den Ausstieg aus der Sucht nur in seltenen Fällen aus eigener Kraft schafften.

Über die Motive des Ärzteverhaltens lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist eine Mischung aus Mitleid, Bequemlichkeit und Unwissen im Spiel." Über kurze Zeit eingenommen, haben Benzodiazepine aber durchaus ihren Stellenwert in der Medizin. So sind Benzodiazepine bei schweren Schlafstörungen oder Erregungszuständen sowie zum Beispiel vor Operationen einzusetzen – allerdings nur für kurze Zeit. Bei längerem Gebrauch haben sie ein hohes Suchtpotential. Patienten sollten ihre Gefährdung daher immer mit ihrem Arzt besprechen.

 

Quelle: Gesundheit Pro




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